Unsere Wehr nach der Wende Alte Führungsstrukturen und auch Gesetze bestanden nur noch fiktiv und neue gab es noch nicht. Runde Tischgespräche wurden auch im Februar und März bei der Feuerwehr durchgeführt. Diese hatten zwar gute gedankliche Ansätze zu Veränderungen, waren aber ohne praktischen Wert. Eins war aber allen bewusst: die Gewährleistung des Brandschutzes und damit verbunden die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr war oberstes Gebot und musste unbedingt erhalten werden. Grenzenlose Demokratie und Freie Marktwirtschaft brachten für unsere Feuerwehr zunächst fast chaotische Zustände. Die vertraglichen Bindungen ,mit den Betrieben zur Gewährleistung und Unterstützung der örtlichen Feuerwehr (Löschhilfeverträge) kamen recht schnell zum Erliegen. Weiterhin wurden in diesem Jahr fast alle betrieblichen Freiwilligen Feuerwehren aufgelöst oder stellten ihre Arbeit ein (die letzte betriebliche FFW meldete sich am 31.08.1990 ab). Damit war die gesamte Verantwortung für die Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung für das Territorium der Gemeinde Böhlitz-Ehrenberg bei unserer Freiwilligen Feuerwehr. Die Entlassungswelle in den Betrieben traf natürlich auch Mitglieder unserer Wehr. Die Sorge um die Familie ließ viele Arbeit in den alten Bundesländern suchen. Dies führte zu einer weiteren Schmälerung der Einsatzbereitschaft. Anerkennenswerterweise hatte die Gemeindeverwaltung trotz aller Probleme stets ein offenes Ohr für die Belange der Feuerwehr. So konnten bereits im Juli und September 1990 weitere Einsatzkräfte der Feuerwehr als technische Mitarbeiter bei der Gemeinde eingestellt werden. Die Auflösungserscheinungen bei den betrieblichen FFW, der Kampfgruppe, der Zivilverteidigung sowie der NVA-Lager bescherten uns eine Vielzahl von Ausrüstungsgegenständen, welche dringend benötigt wurden und wir größtenteils kostenlos bzw. gegen ein geringes, symbolisches Entgelt erhielten. Leider wurde auch im September die Tätigkeit der Brandschutzgruppe, weiche im wesentlichen aus den Frauen unserer Wehr bestand, eingestellt. Erfreuliche Dinge konnten 1990 trotz aller Probleme verzeichnet werden. Zur außerordentlichen Hauptversammlung am 10.04.1990 erschienen 54 Kameraden unserer Wehr. Die fast 100-prozentige Teilnahme demonstrierte die Geschlossenheit unserer Wehr zur Erfüllung der humanen Aufgabe. Bei dieser Versammlung konnten auch zwei Bürger unserer Gemeinde als neue Mitglieder aufgenommen werden. Die Arbeitsgemeinschaft "Junge Brandschutzhelfer", arbeitete im 31. Jahr ihres Bestehens einfach weiter. Wir sahen keinen Grund zur Auflösung, auch wenn der ehemalige Träger dieser AG, die Abteilung Volksbildung des Kreises Leipzig, nicht mehr zuständig war. Die feste Bindung zu dieser AG, welche schon immer Bestandteil unserer Feuerwehr war, führte nur zur Änderung des Namens. Somit wurde ohne großes Aufheben die “Jugendfeuerwehr Böhlitz-Ehrenberg” gegründet. Diese fand dann später einen Platz als eigene Abteilung in der Feuerwehr, geregelt in der Satzung der Gemeinde Böhlitz-Ehrenberg über die Feuerwehr. Die Vorbereitungen auf die 100-Jahrfeier liefen 1990 auf Hochtouren. Seit fünf Jahren befanden wir uns in der Vorbereitung dieser Feier. Das Programm für die Feierlichkeiten stand fest, alles war vertraglich gebunden. Aufträge für Souvenirs u.v.m. waren ausgelöst. Die Festschrift war zum Druck gegeben. Die Teilnehmer am Festumzug - wie Kapellen, Feuerwehrhistoriker, private Fahrzeugbesitzer - waren genauso vertraglich gebunden wie der Zeltverleih. Doch dann kamen die “richtigen Probleme”. Die Währungsunion fand eine Woche vor unserem Fest statt. Die Mark war nur noch die Hälfte wert und jeder wollte seine alte Mark noch vorher umsetzen bzw. die vertraglich gebundenen Beträge nach der Währungsunion in D-Mark bezahlt haben. Insgesamt kann diese Feierlichkeit als ein Höhepunkt in der Geschichte unserer Freiwilligen Feuerwehr, aber auch unseres Ortes eingehen. Allein der Festumzug mit einer Länge von über 2 Kilometern war eine Augenweide. Das Standortmusikorchester der VP Halle in historischen Feuerwehruniformen führte diesen Umzug an. Diese Uniformen hatten wir aus dem Fundus der Polizei Berlin geliehen. Der Spielmannszug Wolfen sowie das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Seehausen rundeten diesen Umzug musikalisch ab. Am 4. Dezember 1990, dem eigentlichen Gründungstag, fand in bescheidenem Rahmen die Wehrversammlung zum 100. Gründungsjubiläum statt. Der Bürgermeister, Herr Siegfried Manig, dankte der Wehr für die langjährige treue Pflichterfüllung im Geiste des Humanismus und zum Wohle der Bevölkerung des Ortes sowie auch für die großartigen Leistungen zur Durchführung der Jubiläumsfeier. Abschließend überreichte er der Wehr eine vom Gemeinderat gestiftete Traditionsfahne. Das Jahr 1991 brachte besonders für unsere Einsatzkräfte erneut eine Höchstzahl an Einsätzen in der Geschichte unserer Feuerwehr. Insgesamt wurden wir 123 mal alarmiert. Eine Vielzahl von neuen, ungeahnten, aber auch interessanten Problemen kamen in diesem Jahr auf uns zu. Des Deutschen liebstes Kind, das Auto, brachte eine ganz andere Art von Einsätzen auf die Tagesordnung. Die technische Hilfeleistung in Verbindung mit der Häufung von verletzten Personen forderte unsere Kräfte. Nicht nur die Beseitigung von Umweltgefahren, welche in der Vergangenheit kaum zur Diskussion standen, sondern besonders die Befreiung von Personen aus Not- bzw. Zwangslagen, wurde zur Hauptaufgabe. Natürlich fehlte besonders für diese Einsätze die teilweise erforderliche Technik. An kurzfristige Anschaffung war hier jedoch nicht zu denken. Im Zusammenhang mit diesen Einsätzen wurden wir auch auf dem Gebiet der Ersten Hilfe wesentlich gefordert. Hier war die Zusammenarbeit mit den Kräften des Rettungsdienstes sehr positiv, denn auch diese lernten bei dieser neuen Art der Einsätze. Die soziale Veränderung des Staates führte zu Tätigkeiten der Feuerwehr, die uns unbekannt waren. Mehrfach wurden wir zur “Person hinter verschlossener Wohnungstür” alarmiert, in den meisten Fällen kamen wir zu spät (teilweise mehrere Tage bzw. Wochen) und konnten nicht mehr helfen. Auch kam es erstmals zu einer Alarmierung durch Bombendrohung in der Pestalozzischule. Eine wesentliche Entscheidung für die Sicherheit unserer Bürger war die Zustimmung zur Schaffung einer Rettungswache in Böhlitz-Ehrenberg. Mit der Dezentralisierung des Rettungsdienstes in Leipzig waren wir die ersten, welche Bereitschaft erklärten sowie Unterstützung anboten. Nun lag es an der Gemeinde, die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen. In einem waren sich alle einig, Feuerwehr und Rettungsdienst gehören zusammen. Also mussten im Objekt der Bielastraße 22 wesentliche Dinge verändert werden. Es wurden Umkleide-, Aufenthalts- und Ruheräume, Möglichkeiten zur Lagerung von Reservematerial sowie ein kleines Büro benötigt. Mit der Inbetriebnahme der Rettungswache war gleichzeitig die ständige Besetzung der Feuerwache durch einen Diensthabenden der Feuerwehr geplant. Zwischen den im Ort niedergelassenen Ärzten und unserer Feuerwehr entwickelte sich ein sehr gutes Verhältnis. Am 27.03.1991 wurde der 24-Stunden-Dienst begonnen, die Inbetriebnahme der Rettungswache erfolgte am 01.04.1991. Ausrückbereich für die Rettungswache waren nicht nur die Stadtteile Leutzsch, Lindenau und Grünau, sondern natürlich die Ortslagen von Böhlitz-Ehrenberg, Burghausen, Rückmarsdorf, Lindennaundorf, Frankenheim und Dölzig. Wesentliche Voraussetzungen für die Arbeit unserer Feuerwehr war das Inkrafttreten des Sächsischen Brandschutzgesetzes zum 02.07.1991. Auf dessen Grundlage wurde eine Satzung über die Freiwillige Feuerwehr Böhlitz-Ehrenberg im September 1991 beschlossen. Darauf basierend fanden am 1. Oktober 1991 zum ersten Mal seit 1932 wieder freie Wahlen unserer Feuerwehr statt. In geheimer Wahl wurde Kamerad Christian Hofmann zum Wehrleiter gewählt. Erstmals gab es auch einen Feuerwehrausschuss, welcher die Beratung der Wehrleitung zur Aufgabe hatte. Durch die Übernahme des Geländes des ehemaligen Holzveredlungswerks, Werk 111 in der Heinrich-Heine-Straße durch die Gemeinde, konnte das Personal der damaligen Betriebsfeuerwehr in unsere FFW übernommen werden. Um unsere Mitglieder auch sozial abzusichern, schloss die Gemeinde 1994 für alle im Einsatz tätigen Kräfte eine Gruppenunfallversicherung ab. Diese Versicherung besteht noch bis heute und wurde aufgrund sehr guten Leistungen von der Stadt Leipzig übernommen. Um den Brandschutz in unserem Ort umfassend zu gewährleisten, besonders im Bereich der Industrie und des Gewerbes, wurde mit dem Brandschutzamt Leipzig über einen Vertrag zur gegenseitigen kostenlosen Löschhilfe verhandelt. Jährlich stiegen die Einsatzzahlen, um im Jahr 1994 ihren Höhepunkt zu erreichen. Mit insgesamt 245 Einsätzen in diesem Jahr ist die FFW an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Auch die Einsatzzeiten wandelten sich in dieser Zeit. Über 50 % der Einsätze fanden an Wochentagen während der normalen Arbeitszeit statt. Der abwehrende Brandschutz konnte nur gewährleistet werden, wenn Einsatzkräfte im Ort beschäftigt sind. Ein Zurückgreifen auf Beschäftigte von wirtschaftlichen Unternehmen ist aber aufgrund des Konkurrenzdruckes nicht mehr möglich. Die wenigen Beschäftigten Einsatzkräfte bei der Gemeindeverwaltung konnten die Einsatzbereitschaft gerade noch gewährleisten. Entsprechend der bereits 1992 erstellten Lind vom Gemeinderat bestätigten Entwicklungskonzeption wurde schrittweise an der Stärkung des Personals sowie an der technischen Entwicklung gearbeitet. Leider waren keine weiteren Einstellungen von technischen Kräften als Einsatzkräfte bei der Gemeinde möglich, im Gegenteil, ab 1995 wurde diese teilweise reduziert. Die für das Jahr 2000 angedachte personelle Stärke von 50 Einsatzkräften war bereits 1998 erfüllt, fünf dieser Einsatzkräfte waren weiblich und erfüllten alle Anforderungen an einen Feuerwehrmann. Dagegen bereitete die Umsetzung des technischen Teiles der Konzeption aufgrund finanzieller Nöte größere Probleme. Trotzdem konnte schrittweise die Einsatztechnik erneuert bzw. erweitert werden. So wurde 1992 eine Drehleiter DL 30, W 50 angeschafft. Dieses Fahrzeug wurde für 150,00 DM vom Stadtbeleuchtungsamt erstanden und in Eigeninitiative umgerüstet. Bei dem großen Herbststurm am 28.10.1992 hatte dieses Fahrzeug seine Bewährungsprobe. Im August 1993 wurde der langersehnte und dringend benötigte Vorausrüstwagen vom Typ VW Syncro T 4 geliefert. Umfangreiche Ausbildung war nun angesagt. Zur Verbesserung der Alarmierung sowie des Funkverkehrs wurden 1993 insgesamt 36 Pager (Nurton) und 6 Pager (Alphanumerisch), 13 Handsprechfunkgeräte, 4 Sirenenauslösegeräte sowie 2 Fahrzeugfunkgeräte angeschafft. Der anlässlich der 900-Jahrfeier der Gemeinde Böhlitz-Ehrenberg von der Fa. Kuhnwald gespendete Peugeot 205 wurde 1993 der FFW als Einsatzleitwagen zur Verfügung gestellt. Dieser wurde ebenfalls in Eigenleistung entsprechend umgebaut. Die Atemschutztechnik wurde 1995 auf Überdrucksystem umgestellt. Für ca. 96 TDM wurden 20 Preßluftatmer, 50 Reserveflaschen, 35 Atemschutzmasken sowie ein Atemluftkompressor von der Fa. Interspiro angeschafft. Für die Einsatzkräfte war die 1992 erfolgte Anschaffung neuer Einsatzkleidung eine wesentliche Verbesserung des persönlichen Schutzes. Nicht nur die relativ großflächige Reflektierung, sondern besonders das hochwertige Material (Nomex 111) brachte für die Brandbekämpfung einen sehr hohen Schutz. Diese Anschaffung kostete der Gemeinde fast 40 TDM, wurde aber mit Mitteln des Landes gefördert. Die Drehleiter W 50 konnte 1997 kurzfristig durch eine DIN-gerechte Drehleiter DLK 23/12 von der Fa. Metz ersetzt werden. Obwohl diese auch schon älteren Baujahres war, erfüllte sie alle Anforderungen. Im Jahr 1997 wurden die Ausschreibungsunterlagen für die Anschaffung eines neuen Löschgruppenfahrzeuges erstellt, Fördermittel beantragt sowie die entsprechenden Mittel im Haushaltsplan der Gemeinde eingestellt. Bereits nach einem knappen Jahr konnten wir 1998 dieses Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 von der Firma FGL Luckenwalde übernehmen. Erstmalig waren wir im Besitz eines umfangreichen Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeugs. 1998 wurde mit Unterstützung des Fördervereins Feuerlösch- und Rettungswesen ein VW Bus T 4 von der Gemeinde gekauft und als Einsatzleitwagen und Mannschaftstransportwagen umgebaut. Der nunmehr alte ELW wurde verkauft. Entsprechend der Entwicklungskonzeption wurden 1998 die Ausschreibungsunterlagen für ein Tanklöschfahrzeug erstellt und die entsprechenden Mittel (370 TDM) im Gemeindehaushalt eingestellt. Mit etwas Verzögerung konnte auch dieses Fahrzeug, ein TLF 24/48 im Herbst 1999 in Betrieb genommen werden. Damit war die gesamte Löschtechnik entsprechend der Entwicklungskonzeption angeschafft und auf dem neuesten Stand. Eine große Lücke in der Fortschreibung unserer Chronik riss der plötzliche Tod des Kameraden Heinz Rudolph, welcher am 31.01.1992 verstarb. Als Hauptmann der Berufsfeuerwehr a. D. hatte er wesentlich an der Entwicklung unserer Wehr mitgewirkt. Am 11.09.1995 wurde der “Förderverein Feuerlösch- und Rettungswesen Böhlitz-Ehrenberg e.V.” gegründet. Dieser hatte sich folgende Ziele gesetzt: - Erhalt der Rettungswache in Böhlitz-Ehrenberg - Verbesserung des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes - Qualifizierte Ausbildung von Einsatzkräften der Feuerwehr auf dem Gebiet der Ersten Hilfe. Am 25.03.1995 fand auf Einladung des Gemeinderates der erste (aber auch letzte) große Feuerwehrball als Dankeschön-Veranstaltung in der “Grossen Eiche” statt. Die Inbetriebnahme der neuen Rettungsleitstelle in Grimma führte zu Verzögerungen bei der Alarmierung der Feuerwehr und des Rettungsdienstes. Ging doch der Notruf unserer Bürger in Leipzig ein und musste dann nach Grimma vermittelt werden. Die Rettungsmittel kamen nunmehr aus dem Landkreis Leipziger Land (Schkeuditz oder Markranstädt). Die gesamte Situation führte zur Unzufriedenheit nicht nur bei den Kameraden unserer Feuerwehr, sondern auch bei den Bürgern. Es gingen eine Vielzahl von Beschwerden über zu lange Hilfsfristen bei der Feuerwehr ein. Aufgrund der Schließung der Rettungswache wurde im September 1996 auch der 24-Stunden-Dienst in der Feuerwache abgeschafft. Das Personal wurde innerhalb der Gemeindeverwaltung umgesetzt. Dies minderte die allgemeine Ordnung und Sicherheit im Ort sehr. Es gab keinen Ansprechpartner für die Bürger. Die Vermittlung des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes erfolgte ebenfalls über die Leitstelle aus Grimma. Die schnelle Alarmierung der Feuerwehr kam ebenfalls ins Hintertreffen. Die Funkalarmmelder (Pager) wurden umgequarzt, der Fahrzeugfunk umprogrammiert, so das zur Leitstelle Leipzig kein Kontakt mehr bestand. Ein offener Brief der Kameraden unserer Freiwilligen Feuerwehr an den Gemeinderat führte zu einem zusätzlichen Tagesordnungspunkt der Gemeinderatssitzung am 21.11.1996. Der angestaute Ärger über die ständigen Probleme bei der Alarmierung der Feuerwehr sowie eine Vielzahl von Beschwerden der Bürger über zu lange Hilfsfristen im Rettungsdienst waren hierfür die Ursache. Diese Gemeinderatssitzung war eine der meistbesuchten Sitzungen in den letzten Jahren, waren doch fast alle Mitglieder der FFW mit ihren Angehörigen sowie viele betroffene Bürger zu dieser Sitzung erschienen. Schnell erkannte der Gemeinderat und der Bürgermeister aufgrund sachlicher Argumente der Anwesenden den Handlungsbedarf. Bereits 3 Wochen später erfolgte die Ausgabe neuer Pager zur Alarmierung unserer Einsatzkräfte von der Leitstelle Leipzig, der Fahrzeugfunk wurde ebenfalls kurzfristig umprogrammiert. Die im gleichen Zusammenhang (Schließung der Rettungswache) erfolgte Petition an den sächsischen Landtag brachte Zwischenergebnisse und machte uns Hoffnung zur baldigen, wenn auch befristeten Inbetriebnahme des Rettungswagens in Böhlitz-Ehrenberg. Leider wurde den Kameraden unserer Wehr teilweise von politischen Vertretern unseres Ortes der Vorwurf gemacht, “Vorreiter der Eingemeindung” zu sein. Da wir die Bürgersicherheit nur in Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig gewährleisten können, war diese Entscheidung aus unserer Sicht jedoch richtig. Am 04.04.1996 konnten wir das 60-jährige Dienstjubiläum unseres Alterskameraden Kurt Hanf feierlich begehen. Er ist damit der Dienstälteste Feuerwehrmann in der Region. Der Florianstag sowie das Herbstfest der Freiwilligen Feuerwehr gewinnt an Gestalt und wird von vielen Böhlitzern gern besucht. Das Gelände der Verbundnetz Gas AG in der Liebigstraße wurde der Gemeinde zur Nutzung übergeben. Dies sollte künftig der Standort der Feuer- und Rettungswache sein. Unsere Wehr übernahm symbolisch die Schlüsselgewalt. Nun mussten Nägel mit Köpfen gemacht werden. Obwohl der Standort aus der Sicht der Einsatzkräfte ungünstig lag, sollte es zu dieser Zeit keine andere Alternative geben. Am 28.10.97 fanden zum zweiten Mal nach der Wende die Wahlen der Wehrleitung und des Feuerwehrausschusses statt. Als Wehrleiter wurde wieder Kamerad Christian Hofmann und als Stellvertreter Kamerad Matthias Scholz für die Dauer von 4 Jahren gewählt. Zum ersten Mal fand 1997 das “Böhlitzer Familienfest”, im Gartenverein Sommerfreude statt. Die Schauübung an der “Großen Eiche” sowie das gesamte Fest fand gute Resonanz bei unseren Bürgern. Eine erneute Änderung des Brandschutzgesetzes in Sachsen brachte Vor- und Nachteile für unsere Feuerwehr. Der Wegfall der Feuerwehrabgabe führte zu einem kleinen Finanzloch im Haushalt der Gemeinde. Die Herabsetzung des Aufnahmealters von 18 auf 16 Jahre brachte uns doch einige Zugänge an Mitgliedern. Aufgrund der Schließung der Rettungswache in Böhlitz-Ehrenberg war ein Handlungsbedarf auf dem Gebiet der Ersten Hilfe erforderlich. Mit Unterstützung des "Fördervereins Feuerlösch- und Rettungswesen Böhlitz-Ehrenberg e.V." wurde das "First Responder System" in unserer Freiwilligen Feuerwehr eingeführt. Die Qualifizierung der geplanten Kräfte übernahm das DRK Leipzig Stadt. Ein Personenkreis von 15 Kameraden und Kameradinnen wurde hierzu qualifiziert. Bei der Berufsfeuerwehr Leipzig konnten zwei Einsatzkräfte als Rettungssanitäter ausgebildet werden. Für die Alarmierung wurde auf den Pagern eine Sonderschleife eingerichtet. Die nun notwendige Regelmäßige Ausbildung brachte für unsere Wehr eine zusätzliche Belastung. Im Durchschnitt liegen wir pro Einsatzkraft und Jahr bei ca. 140 Stunden Ausbildung. In Vorbereitung der freiwilligen Eingemeindung nach Leipzig erarbeiteten unsere Mitglieder einen eigenen Standpunkt, welcher sich auch teilweise im Eingemeindungsvertrag wiederfindet. Besonders ging es um den Erhalt und die Existenz unserer FFW, aber auch um Dinge, welche die "ldentität" unseres Ortes und damit der FFW Wahren. Die Probleme eines dringend benötigten Gerätehausneubaues wurden ebenfalls in diesem Vertrag festgeschrieben. Im Objekt Liebigstraße erfolgte die Einrichtung der provisorischen Rettungswache im Ort, welche nach erfolgreicher Petition genehmigt wurde. Der Rettungswagen des DRK Leipzig Stadt nimmt seinen Betrieb in Böhlitz-Ehrenberg wieder auf, vorläufig aber in einer eingeschränkten Einsatzzeit, täglich von 6.00 bis 22.00 Uhr. Die Zusammenarbeit mit diesen Kollegen ist nach wie vor sehr gut. Bei der Umgestaltung dieser Räume werden Sie von unseren Kameraden unterstützt.

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